Altnazis in Bad Wimpfen – Jahrestreffen der „Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger des Eisernen Kreuzes e.V.“

Ritterkreuztreffen1In der Kurstadt Bad Wimpfen im Landkreis Heilbronn fand auf Einladung des Vorsitzenden Günter Halm vom 30. Oktober bis zum 2. November 2014 das Jahrestreffen der „Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger des Eisernen Kreuzes e.V.“ (OdR) statt. Zu der Tagung kamen im Hotel „Rosengarten“ alte, dekorierte NS-Soldaten und zahlreiche jüngere Bewunderer zusammen.

4 Tage lang wurde in Erinnerungen an alte „Heldentaten“ geschwelgt, sich dem Militarismus hingegeben und der Gefallenen deutschen Soldaten der Wehrmacht und der Waffen-SS gedacht. Am Samstagvormittag wurde zudem ein neuer Vorstand für den Verein gewählt.

Für die geschichtsrevisionistisch Interessierten, die auch aus mehreren europäischen Ländern angereist waren, war einiges geboten. Ein Schiffs-Ausflug auf dem Neckar, Kameradschaftsabende mit Musik und Erlebnisberichten von alten „Kriegshelden“.
Am Samstag, den 1. November 2014, stand eine feierliche Kranzniederlegung zu Ehren der gefallenen Soldaten der faschistischen Truppen am Ehrenmal auf dem alten Friedhof in Bad Wimpfen auf dem Programm.
Dort beklagte ein Redner im Rahmen einer militaristischen Zeremonie mit Blasmusik und Kostümierten die deutschen und europäischen Toten im 2. Weltkrieg.

Anwesend war dabei eine ganze Reihe jüngerer Faschisten: als Aufpasser rund um die Kranzniederlegung versuchten sich u.a. der baden-württembergische NPD-Funktionär Alexander Scholl und der Burschenschaftler Armin Allmendinger (Marburger Burschenschaft Rheinfranken).
Auch das Begleiten und Chauffieren der alten Ritterkreuzträger vom Hotel zum Ehrenmal mit Hilfe von Autos und Rollstühlen fiel in den Aufgabenbereich der Jungnazis. Dabei kam unter anderem ein PKW des Tattoo-Studios „Cactus Studio“ mit dem Kennzeichen S-YL 81 zum Einsatz.
Die Sitzbänke für die alten Soldaten bei der Ehrungszeremonie am Mahnmal wurden vom Hotel „Rosengarten“ zur Verfügung gestellt und angeliefert.

Unter den angereisten Ritterkreuzträgern befand sich unter anderem der 1922 geborene ehemalige Jagdflieger Willi Reschke. Außerdem anwesend waren Andreas Cemska, Martin Hoffmann, Roger Hensly und Jan Frederik Horwald. Nicht mehr zur Gedenkfeier schaffte es am Samstag der Dekorierte Max Zastrow aus Wien. Er segnete noch auf dem Weg zur Totenehrung selbst das Zeitliche. Entgegen anders lautender Berichte seiner Kameraden und Bewunderer im Internet verstarb Zastrow nicht friedlich in seinem Hotelzimmer, sondern im Auto auf dem Weg zur Kranzniederlegung und wurde in der Bad Wimpfener Innenstadt erfolglos durch einen Notarzt reanimiert.
Auch wenn die großen Jahrestreffen der Ordensgemeinschaft aus biologischen Gründen nun vermutlich Geschichte sind, bestehen die Netzwerke der NS-Fanatiker und Militaristen weiter fort. Dort vereinen sich alte Nazis und junge, waffenaffine junge Rechte. Für uns als antifaschistische Linke gilt es daher wachsam zu bleiben und jedem Geschichtsrevisionismus entschieden entgegenzutreten.

 


Text der Organisierten Linken Heilbronn (OL) im Vorfeld des Kreuzritter-Treffens:

Hotel RosengartenVom 30. Oktober 2014 bis zum 2. November 2014 findet wie auch schon im Jahr 2008 im „Hotel Rosengarten“ im bei Heilbronn gelegenen Bad Wimpfen die Jahreshauptversammlung der „Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger des Eisernen Kreuzes e.V.“ (OdR) statt.

Bereits am 21. Oktober 2014 fand in Bad Wimpfen die Mitgliederversammlung des OdR-nahen Vereins „Hilfswerk Ritterkreuz e.V.“ statt.
Bei der OdR handelt es sich um

eine Organisation von ehemaligen Angehörigen von Wehrmacht und Waffen-SS, die mit dem im deutschen Faschismus eingeführten höchsten Ehrenabzeichen, dem „Ritterkreuz des eisernen Kreuzes“ ausgezeichnet wurden. Verlieh

en wurde dieses Abzeichen ausschließlich für „hervorragende Tapferkeit, weit überdurchschnittliche Verdienste in der Truppenführung oder eine kampfentscheidende Leistung nach selbstständigem Beschluss“. Über die Verleihung entschied Adolf Hitler, als oberster Befehlshaber der faschistischen Truppen, persönlich. Ausgezeichnet mit dem „Ritterkreuz des eisernen Kreuzes“ wurden unter anderem auch Kriegsverbrecher wie der SS-General Oskar Dirlewanger, ehemaliger stellvertretender Direktor des Heilbronner Arbeitsamts. Er erhielt Auszeichnung für seine Verdienste bei der Niederschlagung des Warschauer Aufstands von 1944.

Die „OdR“ wurde 1955 gegründet um „dem Ansehen und der Ehre deutschen Soldatentums“ zu dienen und bekennt sich zu dessen angeblich „unwandelbaren Tugenden“ wie „Pflichtbewusstsein“, „Opferbereitschaft“ und „Kameradschaft“.
Die 2014 bundesweit noch über 500 Mitglieder zählende Organisation hat sich seither der Glorifizierung der faschistischen Wehrmacht und der Relativierung ihrer Verbrechen verschrieben. Bestritten wird dabei auch immer wieder ihre Teilnahme an Verbrechen gegen die Menschlichkeit wie diversen Massakern an der Zivilbevölkerung der angegriffenen Staaten.
Immer wieder sind entsprechende Positionen auch in „Das Ritterkreuz“, dem Mitteilungsblatt der „OdR“ zu finden. In der aktuellen Ausgabe beispielsweise klagt der Vorsitzende der Altnaziorganisation, Günter Halm, über „diskriminierende Aussagen gegen die Wehrmacht“.
Auch fanden sich im Mitteilungsblatt in der Vergangenheit revisionistische Aussagen wie „es muss uns mit Schmerz erfüllen, dass Ostpreußen, Ostpommern, Brandenburg und Schlesien polnisch besetztes Gebiet bleiben werden. Aber in unseren Herzen wird immer ein Licht der Hoffnung brennen, dass dieses deutsche Land nicht ewig von uns geteilt sein wird.“
Konsequenterweise machte die Organisation in der Vergangenheit auch nicht vor der Verherrlichung der Waffen-SS halt. So stellte Halm in „Das Ritterkreuz“ fest: „Die schmähliche Behandlung der ehemaligen Soldaten der Waffen-SS nach dem Krieg ist weder vom moralischen noch vom juristischen Gesichtspunkt zu rechtfertigen“
Passenderweise lag dann dem Mitteilungsblatt auch „Der Freiwillige“, die Zeitschrift der faschistischen „Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit der Soldaten der ehemaligen Waffen-SS“ (HIAG) bei.

Die „OdR“ besteht dabei allerdings nicht nur aus alten „Kriegshelden“, sondern vereinigt dem eigenen Anspruch nach auch Personen, „die die Tradition des Ordens (…) auf Dauer aufrecht erhalten wollen“, allerdings nur wenn „Charakter und sittliche Haltung ohne Tadel sind“. Was damit gemeint ist, zeigt sich allzu deutlich in der Mischung aus Militaristen, jungen Männern mit Kriegsfaible und offenen Faschisten, die sich um die ehemaligen Nazisoldaten schart.
Ein Beispiel für die Offenheit der Ritterkreuzträger für die faschistische Bewegung ist die Mitgliedschaft des Trierer Neonazis Patrick Agte, seines Zeichens ehemaliger Rheinland-Pfälzischer NPD-Landesvorstand, Ex-Herausgeber des „HIAG“-Organs „Der Freiwillige“ und umtriebiger Naziaktivist.

Um so skandalöser ist es dann auch, dass sich die Bundeswehr in der Vergangenheit immer wieder an Veranstaltungen der „Ordensgemeinschaft“ beteiligte und deren Programm aktiv mitgestaltete – bis das Verteidigungsministerium im Jahr 1999 ein Kontaktverbot für Bundeswehrangehörige erließ. Nach wie vor stellt das deutsche Heer allerdings auf Wunsch der Angehörigen militärische Ehren bei Trauerfeiern von Berufssoldaten sowie „Trägern höchster Verdienst- und Tapferkeitsauszeichnungen“ in Form von „Abordnungen oder Ehrengeleiten“, also gerade denjenigen Soldaten die sich freiwillig für den Dienst in der faschistischen Armee entschieden oder sich durch über den unmittelbar für das eigene Überleben notwendigen Einsatz auszeichneten. In den Genuss dieser Ehrung kam trotz Kontaktverbot auch der Ritterkreuzträger und ehemalige Vorsitzende der „OdR“ Dr. Gerhard Gutmacher. Dieser sah nach eigenem Bekunden bei Kritik an der Wehrmacht eine „soldatenfeindliche Bewegung“ am Werk die nur „zersetzen, umdeuten, verschweigen“ kenne.

Wenn auch seit 1999 ohne Beteiligung von Bundeswehrvertretern, war bei den Jahreshauptversammlungen der „Ordensgemeinschaft“ für den geschichtsrevisionistisch Interessierten immer etwas geboten. Unter den obligatorischen Rednern befanden sich immer wieder Szenegrößen wie der ehemalige Brigadegeneral Reinhard Uhle-Wettler. Dieser war auch schon bei der extrem rechten „Gesellschaft für freie Publizistik“ zu Gast, verfasste eine Festschrift für den allseits bekannten Holocaust-Leugner David Irving und stellte fest, es fehle „eine amtliche Dokumentation über den Massenmord an den Juden“. Auch der suspendierte General a.D. Reinhard Günzel sprach im Jahr 2004 bei einer Jahreshauptversammlung, bekannt wurde er durch seine Behauptung das „Kommando Spezialkräfte“ (KSK) der Bundeswehr stehe in direkter Traditionslinie zur Nazi-Einheit „Brandenburger“. Im gleichen Jahr trat auch der extrem rechte Autor Gerd Schultze-Rhonhof auf, der in seinem Buch „Der Krieg, der viele Väter hat“ die deutsche Kriegsschuld für den 2. Weltkrieg relativiert.
Wie in den vergangenen Jahren sollen auch in diesem Jahr unter anderem eine „Totenehrung“, ein Ausflug und ein „Kameradschaftsabend“ mit Blaskapelle zum 4-tägigen Programm des Treffens zählen. Ergänzt dieses Mal durch Heldengeschichten von alten Dekorierten.

Die Jahreshauptversammlung 2014 wird unseren Informationen zufolge eventuell die letzte in diesem großen Rahmen sein, begründet durch das sehr hohe Alter der ehemaligen Nazisoldaten. Das Hauptproblem jedoch, die geschichtsrevisionistische Vereinigung von alten, ehemaligen Kämpfern der faschistischen Armee mit ihren jüngeren Bewunderern aus militaristischen und neofaschistischen Kreisen bleibt allerdings bestehen. Zudem ist die Jahreshauptversammlung der „OdR“ nicht die einzige derartige Veranstaltung der letzten Jahre in der Region Heilbronn.
Im März 2010 fand beispielsweise eine Vortragsveranstaltung der NPD Heilbronn zum Thema „Mit Rommel in Afrika und mit der Bibel um die Welt“ statt. Es sprach Wilhelm Langsam aus Göppingen, ehemals Soldat der Waffen- SS und Teilnehmer des Afrikafeldzuges, seines Zeichens damaliger Vorsitzender des „Verband Deutsches Afrika- Korps“ e.V.. Bezeichnenderweise beendete er seinen Vortrag laut dem Heilbronner NPD-Kader Siegfried Gärttner mit dem Satz: „Ich bin einer von euch!“.

Es gilt also weiterhin Tendenzen gegenüber, die die Rolle der Wehrmacht und der Waffen-SS im 2. Weltkrieg glorifizieren, wachsam zu bleiben und jedem Geschichtsrevisionismus entschieden entgegenzutreten.

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