Erfolgreiches erstes Kicken gegen Rassismus

Kicken gegen Rassismus in Heilbronn 2014Am 27. September 2014 fand auf der Sportanlage in der Oststraße in Heilbronn zum ersten Mal ein antirassistisches Fußball-Turnier unter dem Motto „Kicken gegen Rassismus“ statt. Mit rund 100 Teilnehmer*innen und BesucherInnen war das Turnier, das vom „Offenen Antifaschistischen Treffen Heilbronn“ (OAT) organisiert wurde, ein voller Erfolg.

Wir dokumentieren einen Bericht und einen Redebeitrag vom OAT:

Am Samstag den 27. September 2014 fand in Heilbronn, organisiert vom „Offenen antifaschistischen Treffen“ (OAT), zum ersten Mal ein antirassistisches Fußballturnier statt. Um die 100 Antirassistinnen und Antirassisten nahmen als Spieler*innen in 10 Teams, als Zuschauer*innen und als Organisierende am „Kicken gegen Rassismus“ teil.
In solidarischer, fairer Atmosphäre fanden auf den 2 Kleinspielfeldern der „Sportanlage Oststraße“ an die 30 Spiele mit 10 Minuten Länge um den antirassistischen Pokal statt.

Während des Turniers gab es für Interessierte die Möglichkeit sich an Infoständen und Stellwänden mit dem Problem Rassismus auseinanderzusetzen und sich über antirassistische Aktivitäten in Heilbronn und darüber hinaus auszutauschen.
Thematisiert wurden auf den Stellwänden unter anderem die anhaltende Repression gegen Geflüchtete, die Heilbronner Naziszene, rechtspopulistische Akteure in der Region und nicht zuletzt auch der Rassismus der sogenannten „Mitte“ im Bezug auf den NSU-Komplex, vor allem in Baden-Würrtemberg.
Auf den Themenkomplex Rassismus ging auch das „Offene antifaschistische Treffen“ in einem kurzen Redebeitrag ein.
Aktivist*innen aus dem OAT versorgten während des Turniers die Teilnehmenden mit vegan/vegetarischem Essen und Getränken.
Nach dem Turnier ließen viele der Fußballbegeisterten den Tag bei einem veganen Menü, Cocktails und guter Musik im „Sozialen Zentrum Käthe“ ausklingen.

Im Nachklang werten wir den Tag als vollen Erfolg. Gemeinsam setzten die hauptsächlich lokalen Teams mit völlig unterschiedlichen politischen und sozialen Hintergründen ein solidarisches Zeichen gegen Rassismus. Der große Zuspruch von Seiten der Teilnehmenden bestärkt uns darin auch im nächsten Jahr wieder ein antirassistisches Fußballturnier in Heilbronn zu organisieren.
Dann gilt es allerdings die politischen Inhalte besser präsent zumachen und auf noch größere Kreise zu zu gehen als in diesem Jahr.

Rassismus spaltet – Sport verbindet!
Auf ein „Kicken gegen Rassismus“ 2015 in Heilbronn!

Redebeitrag des OAT:

Liebe Antirassistinnen und Antirassisten, liebe Fußballbegeisterte,

wir sind heute hier um uns kennenzulernen, auszutauschen und gemeinsam ein klares Zeichen gegen Rassismus zu setzen. Das ist angesichts der Zustände hier in Deutschland auch bitter nötig.
Immer wieder werden wir mit einem gesellschaftliche Rassismus konfrontiert, der tief in vielen Kreisen verankert ist.

Er zeigt sich uns zum Beispiel als eine Ursache der Morde der Naziterroristen vom sogenannten „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) die über mehrere Jahre hinweg unter anderem 9 Kleinunternehmer mit Migrationshintergrund aus tief sitzendem rassistischem Hass ermordeten.

Er zeigt sich uns daran das Polizei und Medien die Täter jahrelang im so wörtlich „kriminellen Ausländermilieu“ suchten und die Familien der Opfer unter Verdacht stellten.
Vielen von uns, die sich als aktive Antifaschistinnen und Antifaschisten immer wieder Naziaufmärschen in den Weg stellen, begegnet Rassismus auch in deren stumpfen, menschenfeindlichen Parolen. Auch in der Region Heilbronn existiert eine aktive, überregional vernetzte Naziszene, die immer wieder versucht gerade mit populistischen und rassistischen Phrasen in die Öffentlichkeit zu drängen.

Doch nicht nur in den Handlungen und der Propaganda von Neonazis zeigt sich uns Rassismus: gerade rechtspopulistische Gruppierungen nehmen bundesweit stark an Bedeutung zu.
Für Heilbronn bedeutsam ist dabei sicherlich die selbsternannte „Bürgerbewegung Pro Heilbronn“. Diese versucht sich über Lokalpolitik in der Bevölkerung zu verankern. Dazu nehmen die Rechtspopulisten ständig Bezug auf die angeblichen Sorgen der Bürger, wie beispielsweise Baumfällaktionen oder Verkehrshindernisse. Immer wieder verbreiten sie aber auch ihre rassistische Ideologie. So hetzen die Rassisten beispielsweise mit Unterschriftenaktionen gegen den geplanten Moscheeneubau in der Weinsberger Straße.

Bundesweit und inzwischen auch in Heilbronn ist jedoch eine andere Kraft relevanter: die ebenfalls selbsternannte „Alternative für Deutschland“.
Sie zieht in einen Landtag nach dem anderen ein und hat es auch geschafft in Heilbronn zwei Mandate im Stadtrat und drei Kreistagsmandate zu erringen.
Die AfD versucht immer wieder über rassistische Parolen Aufmerksamkeit zu erreichen. Sie hetzt gegen Geflüchtete, gegen Homosexuelle, gegen Migrantinnen und Migranten, gegen Linke.
Gleichzeitig treten die Rechtspopulisten, abgesehen von einigen Pannen, so professionell auf, das sie mitlerweile in vielen Kreisen als politische Kraft anerkannt und leider auch von vielen Menschen als wählbare Alternative angesehen werden.

Der gesellschaftliche Rassismus, insbesondere derjenige in der Polizei, zeigt sich uns auch in der Tatsache das mehrere Beamte der Böblinger Bereitschaftspolizei Mitglied im rassistischen KuKluxKlan waren oder zu diesem Kontakt hatten. Erst aktuell machte wieder ein Kurs von Polizeianwärterinnen und Anwärtern von sich reden, da eine Kollegin mit Migrationshintergrund auf übelste Art und Weise rassistisch gemobbt wurde.
Rassismus findet sich in vielen politischen Lagern: sichtbar wird dies immer wieder an der Stimmungsmache und Repression gegen Flüchtlinge:
Aus einer massiven rassistischen Kampagne gegen Geflüchtete in Politik und Medien folgten in den neunziger Jahren eine Reihe von Pogromen gegen Migrantinnen und Migranten verteilt über die ganze BRD. Diese wurden dann von den bürgerlichen Parteien als Vorwand dafür benutzt das Grundrecht auf Asyl durch eine Grundgesetzänderung faktisch abzuschaffen.
Erst vor kurzem wurde mit Zustimmung des grünen Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg Winfried Kretschmann eine weitere Verschärfung dieses sogenannten „Asylkompromisses“ beschlossen. Asylanträge von Geflüchteten vor allem aus Balkanländern sollen in Zukunft ohne einzelne Prüfung ihres Falls abgeschoben werden, da ihre Herkunftsländer als sicher eingestuft wurden. Die grün-rote Landesregierung verkaufte ihr Abstimmungsverhalten wegen angeblichen Verbeserungen für andere Geflüchtete trotzdem als Erfolg. Unerwähnt dabei das gerade aus dem Balkan viele Sinti und Roma deshalb flüchten weil sie immer wieder rassistischer Verfolgung und Übergriffen ausgesetzt sind.
Ganz aktuell werden wir aber auch in den Berichterstattungen und Diskussionen über die Vorgänge in Palästina, aber auch im Irak und Syrien mit Rassismus konfrontiert.
Die einen machen mit dem israelischen Staat das gesamte Judentum für die Eskalation in Palästina verantwortlich, reden davon das die Juden den Holocaust für ihre Zweche missbrauchen und den Deutschen die freie Meinung verwehrt wird.
Andere wähnen die Ursache für die Konflikte im nahen und mittleren Osten in einer wie auch immer gearteten Rückständigkeit des Islam und von Muslimen im allgemeinen.
Diese beiden rassistischen Sichtweisen führen hier in Deutschland ganz konkret dazu, dass es in den vergangenen Jahren sowohl Angriffe auf Synagogen als auch auf Moscheen gab.

Angesichts der Aktualität des Rassismusproblems in Deutschland gilt es für uns umso mehr solidarisch zusammen zu stehen und Rassismus jeder Art eine klare Absage zu erteilen. Gemeinsam müssen wir aktiv werden, gegen Nazis und Rechtspopulisten, gegen Rassismus in Behörden und Polizei, gegen rassistische Stimmungsmache und Repression, aber auch gegen den Rassismus der uns ganz einfach im Alltag, in rassistischen Sprüchen und Diskriminierung begegnet.

Es kommt auf Jede und Jeden an. Als „Offenes antifaschistisches Treffen“ laden wir euch ganz herzlich zu unseren monatlichen Treffen ein. Werdet mit uns gemeinsam aktiv, setzen wir dem Rassismus etwas entgegen!

Offenes Antifaschistisches Treffen Heilbronn (OAT)

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