Jeder Tag ist Frauenkampftag – Nachbericht 2018

Den diesjährigen Frauenkampftag haben wir unter das Motto „Hi(s)story is her Story“ gesetzt, um Geschichte in einem anderen Licht zu betrachten – im Licht feministischer Kämpfe.

Karl der Große, Napoleon, Bismarck, Adenauer… sind Namen die wir aus dem Geschichtsunterricht kennen. Sie werden als Hauptakteure der modernen Geschichtsschreibung dargestellt. Es scheint als würde geschichtliche Entwicklung von mächtigen Einzelpersonen gestaltet werden und darüber hinaus fast ausschließlich von Männern. Doch Geschichte ist keine Abfolge männlicher Thronherren, Herrscher und Befehlshaber. Geschichte entsteht aus gesellschaftlichen Entwicklungen: Menschen die sich zusammen tun, die für Veränderung eintreten und dadurch etwas bewegen. Der internationale Frauenkampftag steht in der Tradition von Kämpfen gegen Unterdrückung und Ausbeutung und für die Gleichberechtigung aller. Um zu verdeutlichen, dass politische Veränderung so zustande kommt, braucht es einen anderen Blick auf die Geschichte.

Daher sagen wir: Hi(s)story is her Story! – Geschichte ist immer auch die Geschichte feministischer Kämpfe!
Viele Dinge, die wir heute als selbstverständlich annehmen, bestehen noch nicht lange. So zum Beispiel das Frauenwahlrecht oder dass Frauen über die Ausübung eines Berufs selbst entscheiden können. Darüber hinaus sind es keine selbstverständlichen Entwicklung, sondern Errungenschaft die erstritten wurden. Viele Frauen* haben diesem Kampf um Befreiung ihr Leben gewidmet.

Heute könnte man meinen, die Lage sei eindeutig: Die Gleichberechtigung von Männern und Frauen* ist im Gesetz verankert, Frauen sitzen in den Vorständen von vielen Unternehmen oder werden Bundeskanzlerin. Doch es geht uns nicht um Gleichheit in der Ungleichheit, sondern um die Verbesserung der Lebensumstände der breiten Masse der Bevölkerung. Es geht um Umverteilung von Sorgearbeit, gleichen Lohn für gleiche Arbeit und die Abschaffung prekärer Arbeitsverhältnisse, statt um Chancengleichheit oder Repräsentation von Frauen. Ein Blick in die Welt zeigt uns, wie notwendig feministische Kämpfe auch heute noch sind. Denn antifeministische Bewegungen befinden sich in in vielen Ländern auf dem Vormarsch und verschieben den öffentlichen Diskurs nach Rechts. An dieser Stelle sei z.B. die AfD genannt, die auch in Heilbronn in den vergangenen Wahlen Erfolge erzielte und für ein rückschrittliches Frauen- und Familienbild steht. Sie wollen Frauen wieder an “Heim und Herd” sehen. Außerdem gehören für viele Frauen* Erfahrungen sexualisierter Gewalt weiterhin zur Lebensrealität. Wenn Betroffene damit an die Öffentlichkeit gehen, erleben sie nach wie vor, dass Übergriffe heruntergespielt, nicht ernst genommen oder sie gar selbst dafür verantwortlich gemacht werden.

Hashtags wie #aufschrei und #metoo, haben in den vergangenen Jahren viele Frauen* dazu ermutigt ihre Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt öffentlich zu machen. Diese Bewegung im Netz machte deutlich: Ich bin mit meinen Erfahrungen nicht allein. Es ist nicht meine Schuld – die Erfahrungen konnten kollektiv geteilt werden. Dadurch wurde das Sprechen über Gewalterfahrungen und sexuelle Belästigung erleichtert. Doch so ermutigend diese Bewegung im Netz und die Solidarisierung damit z.B. bei den Golden Globes war, so beispielhaft für unsere noch immer sexistische Gesellschaft ist nun der Umgang damit. »Aber man wird doch wohl noch!« Man wird doch wohl noch flirten und Sex haben dürfen, heißt das im konkreten Fall. Die Unterstellung, hinter der ganzen Aufregung verberge sich nichts als prüde Sexualitätsfeindlichkeit, ist so alt wie der Feminismus selbst. Durch #MeToo sei die sexuelle Freiheit bedroht. Dieser Warnruf ertönte besonders medienwirksam etwa aus Frankreich, wo eine Gruppe um die Schauspielerin Catherine Deneuve jüngst die »Freiheit zu belästigen« forderte und damit für die zu erwartenden Diskussionen sorgt.

Hier wird deutlich, was auch die Vergangenheit zeigt: Errungenschaften aus feministischen Kämpfen und feministische Bewegungen, sind oft starken Versuchen ausgesetzt, diese wieder zunichte zu machen. Darum ist es nach wie vor wichtig Erfolge der Frauenbewegung zu verteidigen, um sie zu bewahren. Gleichzeitig müssen aktuelle Kämpfe aktiv geführt und unterstützt werden, um weiter auf das Ziel einer solidarischen Gesellschaft hin zu arbeiten.

Um die erreichten Fortschritte verteidigen zu können, ist es notwendig, dass wir uns ihres geschichtlichen Ursprungs bewusst werden. Seit über einhundert Jahren nutzen Frauen* weltweit den internationalen Frauenkampftag, um ihre Kämpfe für gesellschaftliche Veränderung und Gleichberechtigung sichtbar zu machen. Darum haben wir den Frauenkampftag in diesem Jahr zum Anlass genommen, uns mit der Geschichte dieser Kämpfe auseinanderzusetzen.

Aktionen in Heilbronn
So z.B. bei unserer Kundgebung am 03. März. Mithilfe eines Zeitstrahls und Texttafeln konnten sich Passant*innen, über die wichtigen Errungenschaften der feministischen Bewegungen der letzten 100 Jahre informieren. Daneben gab es Redebeiträge und Gespräche mit Passant*innen, bei denen wir u.a. zu unserer Veranstaltung im Sozialen Zentrum Käthe mobilisierten.

Was ist eigentlich Feminismus? Mit einem Abriss der Geschichte feministischer Bewegungen, Antifeminismus und dem so genannten „Feminismus von rechts“ haben wir uns mit einer Vertreterin der Antifa-Jugend Göttingen in einem Vortrag auseinandergesetzt. In der anschließenden lebhaften Diskussion wurde der Frage nachgegangen, was es heute bedeutet feministische Kämpfe zu führen und wie diese aussehen können. Mit entspannter Musik und anregenden Gesprächen ging der Abend zu Ende.

Das Eintreten für feministische Forderungen endet nicht nach dem Weltfrauentag: Jeder Tag ist ein Frauenkampftag!

Kämpfende Frauen schreiben Geschichte!
Schreiben wir sie mit!

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