Solidarität mit Rojava!

hn rojava 2014Seit dem Mai 2011 ist in Ro­ja­va im west­li­chen Kur­dis­tan und Nord­os­ten Sy­ri­ens eine Um­ge­stal­tung der ge­sell­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se im Gange, die eine Per­spek­ti­ve für die kur­di­sche Frei­heits­be­we­gung bie­tet und als weg­wei­send für die ge­sam­te von Krieg und Zer­stö­rung ge­präg­te Re­gi­on im Mitt­le­ren Osten an­ge­se­hen wer­den kann.
Auf der Grund­la­ge des Mo­dells vom „De­mo­kra­ti­schen Kon­fö­de­ra­lis­mus“ und der „De­mo­kra­ti­schen Au­to­no­mie“ wur­den in Ro­ja­va Struk­tu­ren ge­schaf­fen, mit denen all­mäh­lich das ge­sam­te ge­sell­schaft­li­che Leben in der Re­gi­on neu or­ga­ni­siert wird.

De­mo­kra­tisch auf­ge­bau­te Si­cher­heits­kräf­te, Ge­nos­sen­schaf­ten und Räte, wel­che die un­ter­schied­li­chen Be­völ­ke­rungs­grup­pen und re­li­giö­sen Grup­pen wi­der­spie­geln, ge­währ­leis­ten die Par­ti­zi­pa­ti­on vie­ler Men­schen an der Re­ge­lung wich­ti­ger Pro­zes­se. Zu­sam­men­ge­schlos­sen sind alle be­deu­ten­den po­li­ti­schen und zi­vil­ge­sell­schaft­li­chen Struk­tu­ren im „Kur­di­schen Hohen Rat“ (DBK), der auch über ei­ge­ne „Volks­ver­tei­di­gungs­ein­hei­ten“ (YPG) ver­fügt.

Erste Schrit­te im Auf­bau einer neuen, nicht-ka­pi­ta­lis­ti­schen Öko­no­mie, die sich an den Be­dürf­nis­sen der Ge­sell­schaft ori­en­tiert und auf die Ver­nich­tung na­tür­li­cher Res­sour­cen ver­zich­tet, wur­den be­reits ge­macht. So wird die Öl­in­dus­trie in Ro­ja­va di­rekt von Ar­bei­te­rIn­nen­ko­mi­tees und Räten ver­wal­tet und Agrar­ko­ope­ra­ti­ven kon­trol­lie­ren Teile der Land­wirt­schaft. Auch Ge­sund­heits- und Bil­dungs­ein­rich­tun­gen wer­den schritt­wei­se ba­sis­de­mo­kra­tisch um­ge­stal­tet oder neu auf­ge­baut. Wie in der ge­sam­ten kur­di­schen Be­we­gung sind auch in Ro­ja­va Frau­en füh­rend an allen Um­ge­stal­tungs­pro­zes­sen und Ver­wal­tungs­ein­hei­ten be­tei­ligt und bil­den gleich­zei­tig ei­gen­stän­di­ge Räte und mi­li­tä­ri­sche Struk­tu­ren wie die Selbst­ver­tei­di­gungs­kräf­te „Ye­ki­ney­en Pa­ras­ti­na Jine“ (YPJ). Der Kampf gegen das Pa­tri­ar­chat und für die Be­frei­ung der Frau­en ist -auch und ge­ra­de in der stän­di­gen Kriegs­si­tua­ti­on in Sy­ri­en- ele­men­ta­rer Be­stand­teil der Pra­xis der kur­di­schen Be­we­gung.

Mit ihrer fort­schritt­li­chen Aus­rich­tung und auf­grund der be­reits er­folg­ten Selbst­or­ga­ni­sie­rungs­pro­zes­se ist die Be­völ­ke­rung Ro­ja­vas ver­schie­de­nen Kräf­ten ein Dorn im Auge und sieht sich immer wie­der mas­si­ven An­grif­fen ge­gen­über.
Die kur­di­sche Be­we­gung selbst spricht davon, dass in Ro­ja­va ein „Drit­ter Weg“ be­schrit­ten wird, der weder die Zu­sam­men­ar­beit mit der Baath-Par­tei von Baschar al-As­sad, noch mit is­la­mis­tisch do­mi­nier­ten Re­bel­lIn­nen be­inhal­tet.
Mehr­fach wur­den die Ge­bie­te von den Trup­pen des sy­ri­schen As­sad-Re­gimes bom­bar­diert. Dji­ha­dis­ti­sche, zum Teil mit der „Frei­en Sy­ri­schen Armee“ (FSA) zu­sam­men­ar­bei­ten­de Grup­pen ver­su­chen eben­falls die Re­gi­on ge­walt­sam zu de­sta­bi­li­sie­ren und ver­üben blu­ti­ge An­schlä­ge wie bei­spiels­wei­se auf die Zen­tra­le des „Kur­di­schen Roten Halb­mon­des“ in Ko­ba­ni (Ain al-Arab).
Lo­gis­tisch und fi­nan­zi­ell un­ter­stützt wer­den viele die­ser Grup­pie­run­gen wie z.B. die Al-Nusra-Front vom NA­TO-Mit­glieds­staat Tür­kei. Auch west­li­che Staa­ten wie die USA, Frank­reich oder Groß­bri­tan­ni­en haben an den An­grif­fen ihren An­teil, in dem sie die FSA mit Waf­fen ver­sor­gen, die dann auch in die Hände Al Kai­da-na­her Grup­pen ge­lan­gen.

Gleich­zei­tig wird der Auf­bau einer neuen Ge­sell­schaft in Ro­ja­va durch Em­bar­gos der Tür­kei, is­la­mis­ti­scher Grup­pen und auch der „Kur­di­schen Re­gio­nal­re­gie­rung“ (KRG) im Nord­irak unter Prä­si­dent Mas­sud Bar­za­ni ge­schwächt. Der Tür­kei und den mit ihr ver­bün­de­ten west­li­chen Mäch­ten geht es darum, das Ent­ste­hen einer selbst­ver­wal­te­ten fö­de­ra­len Struk­tur in West­kur­dis­tan, die Strahl­kraft auf die ge­sam­te geo­stra­te­gisch be­deu­ten­de Re­gi­on haben könn­te, mit allen Mit­teln zu ver­hin­dern. Bar­za­ni ist unter an­de­rem auf­grund von Öl­ge­schäf­ten auf die öko­no­mi­sche und po­li­ti­sche Zu­sam­men­ar­beit mit der AKP-Re­gie­rung an­ge­wie­sen. Er dis­tan­ziert sich von der „Par­tei der De­mo­kra­ti­schen Union“ (PYD), hin­ter der die Mehr­heit der Be­völ­ke­rung von Ro­ja­va steht und die sich nicht an macht­po­li­ti­schen Ver­tei­lungs­kämp­fen be­tei­li­gen, son­dern die Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on der Räte wei­ter aus­bau­en will.

Trotz der enor­men Be­hin­de­run­gen re­ak­tio­nä­rer Kräf­te und der ver­hee­ren­den Si­tua­ti­on in Sy­ri­en kommt die Um­ge­stal­tung in Ro­ja­va, die von vie­len Kur­din­nen und Kur­den als „Re­vo­lu­ti­on“ be­grif­fen wird, wei­ter voran. Es ist dabei ge­lun­gen, einen Ent­wurf sicht­bar zu ma­chen für eine Ent­wick­lung jen­seits im­pe­ria­lis­ti­scher In­ter­es­sen und au­to­ri­tä­rer und is­la­mis­ti­scher Re­gimes, die über Ro­ja­va hin­aus für Sy­ri­en und den ge­sam­ten Mitt­le­ren Osten von Be­deu­tung sein könn­te.
Die­ser Ent­wick­lung und den da­hin­ter ste­hen­den Men­schen muss un­se­re So­li­da­ri­tät gel­ten.

Wir rufen des­halb dazu auf, am 8.Februar 2014 ge­mein­sam von Heil­bronn nach Stutt­gart zu fah­ren und sich dort an der De­mons­tra­ti­on „Ro­ja­va – Das Schwei­gen bre­chen!“ zu be­tei­li­gen.

Hoch die In­ter­na­tio­na­le So­li­da­ri­tät!

Treff­punkt: Sams­tag, 8. Februar 2014 | 12.40 Uhr | Haupt­bahn­hof Heil­bronn

Ar­beits­kreis In­ter­na­tio­na­le So­li­da­ri­tät Heil­bronn
Or­ga­ni­sier­te Linke Heil­bronn (OL)

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