8. März – internationaler Frauenkampftag!

Zum diesjährigen Frauenkampftag haben wir zusammen mit der linken Frauengruppe Heilbronn die Broschüre „Was tun gegen Sexismus und sexualisierte Gewalt?“ veröffentlicht.

8. März ist Frauenkampftag! Tausende Menschen gehen an diesem Tag weltweit auf die Straße, um gegen Sexismus und Unterdrückung und für gleiche Rechte für Frauen* zu kämpfen. Dass die Themen Sexismus und Gewalt an Frauen wieder mehr im öffentlichen Diskurs zu finden sind, hat sich auch im vergangenen Jahr gezeigt: In Lateinamerika gab es Proteste von Tausenden von Frauen gegen Gewalt an Frauen, in den USA gab es in Reaktion auf Trumps sexistische Äußerungen in verschiedenen Städten einen „Women’s March“, an dem sich Frauen aus allen gesellschaftlichen Bereichen beteiligten.


Viele Menschen, vor allem in den westlichen Demokratien, werden sich fragen, warum dies im 21. Jahrhundert überhaupt noch notwendig ist, wo doch gleiche Rechte und die Gleichstellung der Geschlechter in der Verfassung verankert sind. Für viele scheint die Gleichberechtigung erreicht, da Frauen in Betriebsvorständen sitzen oder finanziell für sich selbst sorgen.
Doch Sexismus ist in unserer Gesellschaft strukturell fest verankert. Das kapitalistische System in dem wir leben beruht darauf, Personengruppen aufgrund bestimmter ihnen zugeschriebener Eigenschaften auszubeuten. Frauen* übernehmen nach wie vor einen Großteil der Reproduktionsarbeit in unserer Gesellschaft, was bedeutet dass sie für Haushalt, Kindererziehung und zum Beispiel die Pflege von Angehörigen verantwortlich sind. Das alles findet oft in einem privaten Rahmen statt, unbezahlt und unsichtbar. Gleichzeitig sind die meisten nebenher berufstätig in Voll- oder Teilzeit. Das kapitalistische System profitiert von dieser Doppelbelastung maßgeblich, da die unerlässliche Reproduktion der Arbeitskraft dadurch in großen Teilen umsonst verrichtet wird und Frauen* neben der Reproduktionsarbeit zusätzlich auf dem Arbeitsmarkt verwertbar sind. Auch dass Frauen* nach wie vor für die gleiche Arbeit im Schnitt 26% weniger Lohn bekommen macht deutlich, wie unser Wirtschaftssystem funktioniert.

Doch nicht nur in diesen Zusammenhängen sind sexistische Strukturen sichtbar. Sexismus hat viele Facetten und viele Gesichter, diese zu erkennen und dagegen anzugehen ist oft nicht einfach. Denn das eigene Empfinden von Ungleichbehandlung und Unterdrückung spielt in diesem Zusammenhang eine große Rolle. Für vieles muss weiterhin sensibilisiert werden.

In seiner rohesten Form tritt Sexismus nach wie vor in Form von sexualisierter Gewalt auf. In welchem erschreckenden Ausmaß diese nach wie vor auch in unserer Gesellschaft verankert ist, zeigen viele Statistiken:
Laut der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte hat ein Drittel der Frauen* seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfahren. Dies entspricht etwa 62 Millionen Frauen in Europa. Nach Angaben von „Terre des femmes“ erfährt ein Siebtel der Frauen* Vergewaltigung, versuchte Vergewaltigung oder sexuelle Nötigung. Sexualisierte Gewalt findet sich in fast allen Lebensbereichen unserer Gesellschaft wieder: Auf der Arbeit, im Büro oder in der Freizeit, Familie und Partnerschaft. Diese Form der Gewalt zieht sich durch alle gesellschaftlichen Schichten, sie ist unabhängig von Religionszugehörigkeit, Herkunft, Alter und Bildung. Das Risiko in einer Beziehung Gewalt zu erfahren, ist dabei weitaus größer als von einem Fremden tätlich angegriffen zu werden. Obwohl ein so hoher Anteil aller Frauen sexualisierte Gewalt erfährt, erstatten gerade einmal circa sechs Prozent eine Anzeige.

„Den Dingen einen Namen geben zu können, ist deshalb so wichtig, weil erst damit Lebenswirklichkeiten beschrieben und politisiert werden können. Den Begriff ‚Sexismus‘ kennen zwar viele Menschen, was damit aber eigentlich genau gemeint ist, ist vielen nicht so ganz klar.“ -Anna Schiff

Um sexistische Zustände politisieren zu können und etwas gegen den sexistischen Normalzustand zu unternehmen, ist es nach wie vor wichtig Aufklärungs- und Bildungsarbeit zu leisten. Aus diesem Grund veröffentlichen wir zum diesjährigen Frauenkampftag eine Broschüre, die über Sexismus und sexualisierte Gewalt aufklären und Handlungsmöglichkeiten zur Vermeidung bzw. im Fall eines Übergriffes aufzeigen soll. Doch mit einer solchen Broschüre ist noch nicht alles getan. Sich am 8. März daran zu erinnern, dass Sexismus in Zusammenhang mit unserer patriarchalen Gesellschaft und dem Kapitalismus steht, ist notwendig. Das Ziel einer befreiten Gesellschaft die auf einem respektvollen Miteinander und einem guten Leben für alle beruht, ist nicht zu erreichen, ohne den strukturellen Nutzen von Sexismus und Unterdrückung für das kapitalisitische System zu begreifen. Darum müssen wir den Kampf gegen Sexismus verbinden mit einem Kampf gegen Rassismus, Ausbeutung und Unterdrückung!

Fight sexism!

Linke Frauengruppe Heilbronn
Organisierte Linke Heilbronn (IL)

You Might Also Like