Erfolgreiches drittes Kicken gegen Rassismus in Heilbronn

14721505_640093226152534_3508975888362389804_nAm Samstag, den 24. September 2016 fand auf der Sportanlage Oststraße in Heilbronn zum dritten Mal das antirassistische Fußball-Turnier „Kicken gegen Rassismus“ statt. Mit über 200 Teilnehmer*innen und Besucher*innen war das Turnier, das vom „Offenen Antifaschistischen Treffen Heilbronn“ (OAT), der Gewerkschaftsjugend „junge BAU Heilbronn“, der Flüchtlingsinitiative „Bonvena“ und dem „Netzwerk gegen Rechts Heilbronn“(NgR) getragen wurde, erneut ein voller Erfolg.

Wir dokumentieren einen Bericht und einen Redebeitrag des OATs:

Zum dritten Mal fand am Samstag, den 24.September 2016 das „Kicken gegen Rassismus“(KgR) auf der Heilbronner Sportanlage Oststraße statt. 18 Teams und insgesamt über 200 Menschen beteiligten sich bei strahlendem Sonnenschein an der dritten Auflage des antirassistischen Fußballtuniers. Das Tunier wurde im diesen Jahr zum ersten Mal neben dem „Offenen Antifaschistischen Treffen Heilbronn“ (OAT) auch von der Gewerkschaftsjugend „junge BAU Heilbronn“, der Flüchtlingsinitiative „Bonvena“ und dem „Netzwerk gegen Rechts Heilbronn“(NgR) getragen.

18 Teams, die aus Refugees, Freizeitkicker*innen, Parteien, Gewerkschaften, Jugendteams und passionierten Bolzer*innen bestanden, bestritten in vier Gruppen ein spannendes und emotionsgeladenes Turnier. Der solidarische Charakter des Tuniers wurde durch den Verzicht auf Schiedsrichter*innen unterstrichen und der Spaß am Spiel stand im Vordergrund. Mit einer Rede des „Offenen Antifaschistischen Treffens Heilbronn“ (OAT) zu Beginn des Turniers, Stellwänden und einem Stand mit verschiedenen Infomaterial, wurde das Turnier inhaltlich begleitet und in Zusammenhang mit antirassistischen Kämpfen und Mobilisierungen gestellt. Beim „Rassisten schießen“ konnte man sich über lokale, bundesweite und internationale Nazis und RassistInnen informieren. Mit etwas Geschick war es möglich, diese zudem gleich noch vom Tisch zu fegen.

Durch die breite Beteiligung unterschiedlicher Menschen ließ sich das „Kicken gegen Rassismus“ (KgR) erneut sehr gut für die Vernetzung und den Austausch untereinander nutzen. Das solidarische Miteinander und das gemeinsame Turnier setzte ein gutes Zeichen gegen rassistische Ausgrenzung und Verfolgung. Für das nächste Jahr stellt sich die Herausforderung der wachsenden Beteiligung gerecht zu werden und mehr Raum für den politischen Austausch zu gestalten. Nur so kann das Turnier sich weiter zu einem Ort der Vernetzung und des Zusammenkommens entwickeln und auch im Alltag seine Früchte tragen.

Rede des OATs:

Viele von uns kriegen Tag für Tag den als deutsche Leitkultur getarnten Rassismus am eigenen Leib zu spüren. Anfeindungen wegen Kopftüchern auf der Straße, rassistische Witze im Betrieb oder auch der einfache Fakt, dass viele nicht die gleichen Rechte wie andere Menschen im Land haben. Auch die Situation auf den Fluchtrouten ist allen bekannt- im Mittelmeer, an der syrisch/türkischen Grenze- viele die heute hier am Turnier teilnehmen, mussten selbst den häufig tödlichen Weg auf sich nehmen, um nach Deutschland zu kommen. Was sich dadurch zeigt: Die Regierung setzt um, was Rassisten der AfD fordern. Sie schließt die Festung Europa, sie schottet sich mit Hilfe der Türkei ab, sie erhöht die Zahl der Abschiebungen und sorgt dafür, dass die Geflüchteten zu spüren bekommen, dass der Reichtum Deutschlands nicht geteilt wird. Jeder Mensch der an den Grenzen Europas stirbt ist ein Mensch zu viel. Jeder Mensch der an den Grenzen Europas stirbt geht auf die Rechnung der europäischen Regierungen. Sie sind dafür verantwortlich, egal ob von türkischen Soldaten an der syrischen Grenze erschossen oder im Mittelmeer ertrunken. Dafür braucht es noch nicht einmal einen Schießbefehl über den sich alle etbalierten Politiker echauffiert haben. Aber Deutschland 2016 kann noch schlimmer. Rassistische Mobilisierungen auf der Straße, rassistische Parteien im Parlament- in Deutschland kommt man nicht zur Ruhe. Wir brauchen nicht zurück zu schauen nach Rostock-Lichtenhagen oder Hoyerswerda, es reicht ein Blick in die Zeitung von heute um brennende Flüchtlingsunterkünfte und den dazu applaudierenden Mob zu sehen. Nicht zu vergessen die Verstrickungen des Verfassungsschutzes mit dem Terror des NSU.

Aber jetzt genug der grausamen Beschreibungen. In Zeiten, in denen man in Kaltland im Sommer eine Winterjacke braucht, ist es ja nicht so, dass wir das alles unkommentiert zulassen. Überall wehren sich viele Menschen gemeinsam gegen die deutschen Zustände im Jahr 2016. Wir wehren uns und haben dabei keine Illusionen, der rechte Block der gerade schreit und um sich schlägt verschwindet nicht so schnell. Das ist der Grund warum wir erst recht gegen Rassismus kämpfen. Weil wir wissen, dass wir dadurch Räume schaffen in denen wir zusammen kommen können, ohne Angst vor Übergriffen oder Ausgrenzung. Weil wir nicht einfach zuschauen während nachts ganze Familien einfach abgeschoben werden. Weil wir es nicht hinnehmen, dass Geflüchtete in Massenunterkünften vergammeltes Essen bekommen. Wir kämpfen gegen Rassismus und Faschismus, weil das Konstrukt von Volk, Nation und Rasse nichts anderes als der lächerliche Versuch ist uns auseinander zu dividieren. Wir aber stehen zusammen. Wir stehen zusammen auf dem Sportplatz und wir stehen zusammen den Rassisten im Weg. Wir wehren uns gemeinsam und wir teilen dabei eine gemeinsame Vorstellung von einer Welt ohne Rassismus und Ausgrenzung. Aufgrund dieser Vorstellung empören wir uns auch wenn Nazis und Rassisten mit menschenverachtenden Äußerungen den Diskurs nach Rechts verschieben wollen. Für diese Vorstellung blockieren wir voller Eleganz ihre Veranstaltungen und Aufmärsche. Weil wir der festen Überzeugung sind, dass Rassismus und Faschismus keinen Platz in unserer Gesellschaft haben darf, versuchen wir wo es nur geht den Nazis und Rassisten den öffentlichen Raum zu nehmen.

Und auch heute kommen wir zusammen um deutlich zu machen, wir haben kein Bock auf Rassismus, wir überwinden die Grenzen die sie künstlich ziehen und wir stehen zusammen! Lasst uns den heutigen Tag nutzen um uns zu vernetzen, um uns kennenzulernen und uns auszutauschen.

Kommt nächsten Samstag mit uns nach Heidelberg um gegen das neue Abschiebezentrum zu protestieren. Und jetzt ist genug geredet, let the games begin!

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