Jeder Tag ein Frauenkampftag!

Koeln2Vor über 100 Jahren rief Clara Zetkin gemeinsam mit vielen Mitstreiterinnen am 8. März den internationalen Frauenkampftag ins Leben. Seitdem tragen an diesem Tag Frauen weltweit ihre Forderungen nach Gleichberechtigung und mehr Rechten auf die Straße. Auch heute ist es wichtig, diesen Tag mit eigenen Inhalten zu füllen und deutlich zu machen, warum auch in unserer Gesellschaft Frauen für ihre Rechte kämpfen müssen.

Unsere Kampagne „Let’s talk about…“ begannen wir mit einem Flashmob und einer Kundgebung vor der Harmonie, in dem wir auf die Mehrfachbelastung von Frauen in der heutigen Gesellschaft aufmerksam machten. An Frauen werden vielfältige Anforderungen gestellt: Haushalt, Kindererziehung und Betreuung, Pflege eines Angehörigen etc. All diesen Anforderungen gerecht zu werden, ist eine große, fast unlösbare Aufgabe. Lösungen hierfür sind eher nicht zufriedenstellende Kompromisse zwischen Lohn- und Reproduktionsarbeit oder nur den Frauen vergönnt, die es sich leisten können, Aufgaben an andere Frauen abzugeben. Durch diese Mehrfachbelastung sind Frauen oft gezwungen sich prekären Arbeitsverhältnissen auszusetzen. Darüber hinaus setzen gesellschaftliche Schönheitsideale die meisten Frauen zusätzlich unter Druck, da sie versuchen diesen zu entsprechen. Die Selbstverwirklichung bleibt aufgrund dieser Fülle an Anforderungen auf der Strecke.

Am 10. März gab Gabriele Winker in ihrem Vortrag einen Überblick darüber, was unter dem Begriff der „Care-Arbeit“ zusammengefasst wird und wie diese in unserer Gesellschaft verteilt und organisiert ist. Angesichts der Zunahme prekärer Arbeitsverhältnisse und der damit verbundenen vermeintlichen Notwendigkeit zur Selbstoptimierung, geraten Menschen zunehmend an ihre Grenzen, wenn sie trotz dieser Anforderungen auch für sich und andere gut sorgen möchten. Die Resultate dieser Entwicklung werden in der steigenden Zahl psychischer Erkrankungen deutlich. Durch das „Care Revolution-Netzwerk“ sind verschiedene Gruppen, Vereine und Verbände miteinander verbunden, die das Ziel einer Solidarischen Gesellschaft eint – Eine Gesellschaft, in der es für alle Menschen möglich ist, gut für sich und für andere zu sorgen. So wird sich beispielsweise dafür eingesetzt, dass die gesetzliche Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich reduziert wird, um mehr Zeit für die notwendige Sorgearbeit zur Verfügung zu haben. Gleichzeitig soll das Netzwerk es ermöglichen, Sorgearbeit zunehmend in kollektiven Formen zu gestalten und zu verwalten.

Am 12. März beteiligten wir uns an der bundesweiten Demonstration „Reclaim feminism – Unser Feminismus ist antirassistisch“ in Köln, zu der ein breites Bündnis aus feministischen Gruppen, migrantischen Organisationen, Refugees und antirassistischen und antifaschistischen Initiativen aufgerufen hatte. Dieser feministische und antirassistische Ausdruck auf der Straße war angesichts der rassistischen Debatte nach der Kölner Silvesternacht dringend nötig. Denn größtenteils wurde in dieser Debatte nicht über die alltägliche sexuelle Gewalt gegenüber Frauen und die sexistische Normalität unserer Gesellschaft diskutiert. In rassistischer Manier wurden sexuelle Übergriffe Geflüchteten und muslimischen Migranten zugeschrieben und Pegida, AfD und AntifeministInnen, die sich noch nie für Frauenrechte interessierten, inszenierten sich als „BeschützerInnen der deutschen weißen Frau“. Dagegen zeigten am 12. März mehrere tausend Menschen: Das Problem heißt Sexismus – Feminismus bleibt antirassistisch.

Unsere Veranstaltung mit einer Mitarbeiterin der Kölner „Informations- und Beratungsstelle für Migrantinnen und Flüchtlingsfrauen“, agisra e.V. bildete das Ende der Kampagne. Mit dieser Veranstaltung wollten wir die Themen Frauenrechte und Migration verbinden und auf die Rolle derjenigen Frauen aufmerksam machen, denen vom deutschen Staat selbst die grundlegendsten sozialen Rechte verwehrt werden. Denn Gesundheitsversorgung, Wohnraum, Bildung und Arbeit sind für illegalisierte Migrantinnen äußerst schwer zu organisieren. Sie werden durch ihren fehlenden Aufenthaltsstatus entrechtet und fristen ein Schattendasein in unserer Gesellschaft.

Mit unserer Kampagne „Let’s talk about…“ wollten wir den Frauenkampftag nicht als harmlosen „Feier“-Tag begehen, sondern diesen Tag aufgreifen um frauenpolitische und feministische Themen von links zu besetzen und in die Öffentlichkeit zu tragen. Doch wir dürfen uns nicht auf den 8. März beschränken. Ob in der Auseinandersetzung mit RechtspopulistInnen oder bei unserer Solidaritätsarbeit mit fortschrittlichen Bewegungen – wir müssen alle unsere Kämpfe auch aus feministischer Perspektive betrachten. Denn: Jeder Tag ist Frauenkampftag!

Organisierte Linke Heilbronn (IL) / Frauencafé Heilbronn

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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