Erfolgreiche antifaschistische Kundgebungstour

kundgebungstour antifa 2012Am Samstag, den 30. Juni 2012, führten Antifaschistinnen und Antifaschisten in vier Städten in der Region Heilbronn Kundgebungen durch. Zu der Kundgebungstour hatte das lokale Bündnis “Heilbronn stellt sich quer” unter dem Motto “Es gibt kein ruhiges Hinterland! Gemeinsam und solidarisch gegen Nazis und ihre Strukturen!” aufgerufen. Organisierte Antifaschistinnen und Antifaschisten beteiligten sich außerdem im Rahmen der landesweiten Antifakampagne “In die Offensive: Nazistrukturen aufdecken und bekämpfen” an der Mobilisierung und Durchführung der Kundgebungstour.

An den Kundgebungen nahmen jeweils zwischen 50 und 60 Menschen aus verschiedenen Spektren teil.

Brackenheim – Naziprovokation scheitert

Erste Station der Kundgebungstour war die “Theodor- Heuss- Stadt” Brackenheim im Zabergäu, dem Südwesten des Landkreises Heilbronn. Hier gibt es seit Jahren eine aktive organisierte Naziszene und eine rechte Subkultur. Sowohl die NPD als auch die Nazigruppierung “Furchtlos und Treu” nutzten die Stadt bereits mehrmals für Veranstaltungen. Im Amtsblatt “Rundschau Mittleres Zabergäu” bewarb die NPD Heilbronn bis 2011 ganz selbstverständlich Rednerveranstaltungen und Feste in der Region.

Brackenheim wurde deshalb wie auch die anderen Kundgebungsorte gezielt ausgewählt, um dort endlich über die Nazistrukturen aufzuklären und mit dem Widerstand dagegen zu beginnen. Der größte Teil der antifaschistischen Aktivistinnen und Aktivisten reiste gemeinsam mit einem Bus nach Brackenheim und führte zunächst eine lautstarke Spontandemo durch die Innenstadt zum Kundgebungsort auf dem Marktplatz durch. Dort tauchte bereits nach wenigen Minuten der Brackenheimer NPD- Kader Siegfried Gärttner mit einem “Kameraden” auf. Entschlossene Antifas stellten sich den Nazis allerdings in den Weg und verhinderten, dass sie zur Kundgebung gelangen und mit der mitgebrachten Kamera die Kundgebungsteilnehmerinnen und -teilnehmer fotografieren konnten. Herbei eilende Polizisten postierten die nervös zitternden Faschisten schließlich abseits der Kundgebung. Mit Redebeiträgen und verteilten Flugblättern wurden die Passantinnen und Passanten dann über die lokalen Nazistrukturen aufgeklärt.

Eppingen – Gedenken an die Opfer der Nazigewalt

Am Bahnhof der Stadt Eppingen im Kraichgau fand die zweite Kundgebung des Tages statt. Dort war am 19. Juli 1996 der Elektriker Werner Weickum von einer stadtbekannten Nazi- Clique zu Tode geprügelt worden. Das Bündnis “Heilbronn stellt sich quer” hatte zum 15. Todestag Werner Weickums bereits 2011 eine Gedenkkundgebung in Eppingen durchgeführt. Im Gegensatz zur Veranstaltung 2011 war diesmal keine größere Gruppe von Nazis vor Ort, so dass die Kundgebung ungestört durchgeführt werden konnte.

In den Redebeiträgen wurde nicht nur die regionale rechte Szene beleuchtet, sondern auch an die über 180 Opfer der Nazi-Morde in der BRD seit 1990 erinnert. Stellvertretend für alle Opfer wurde an das Schicksal einzelner von den Faschisten Getöteter erinnert, darunter natürlich auch an den Tod von Werner Weickum. Mit einer Gedenkminute an alle Opfer der faschistischen Gewalt schloß die Kundgebung in Eppingen ab.

Sinsheim – Nazis mit Schaufel unterwegs

Im keine 20 Kilometer entfernten Sinsheim war der dritte und längste Zwischenhalt der Tour. Die Stadt im Landkreis Rhein- Neckar wurde in den letzten Jahren mehrmals zum Aufmarschort von faschistischen Gruppen wie den “Freien Nationalisten Kraichgau”. Zuletzt fand im März 2012 eine Kundgebung der Nazis in Sinsheim statt, bei der u.a. der NPD- Bundesvorsitzende Holger Apfel als Redner auftrat. Über Twitter hatten die “Freien Nationalisten Kraichgau” angekündigt, auch heute in die Sinsheimer Innenstadt zu kommen und über unsere Kundgebung zu “berichten”.

Selbstverständlich ließen wir uns davon ebensowenig einschüchtern wie das lokale Sinsheimer “Bündnis für Toleranz”, so dass am “Wächter” an der Elsenzbrücke mitten in Sinsheim rund 60 Menschen zu unserer Kundgebung zusammen kamen. Auch hier wurden mit vielen Transparenten und Flugblättern die interessierten Bürgerinnen und Bürger informiert. In Redebeiträgen gingen die Vertreterinnen und Vertreter des Sinsheimer Bündnisses u.a. auf den historischen Hintergrund der Stadt im deutschen Faschismus und auf die Notwendigkeit, endlich in der Stadt gegen die heutigen Nazis gemeinsam aktiv zu werden, ein.

Eine Rednerin aus Heilbronn kritisierte die Kriminalisierung der antifaschistischen Bewegung in Baden- Württemberg und erinnerte hierbei noch einmal an die massiven Repressionen gegen Nazigegnerinnen und Nazigeger am 1. Mai 2011 in Heilbronn. Wie angekündigt und von uns auch erwartet, waren in Sinsheim auch einige Faschisten – v.a. Mitglieder und Sympathisanten der “Freien Nationalisten Kraichgau”- unterwegs. Sie liefen in kleineren Gruppen durch die Stadt und näherten sich nach einiger Zeit auch der Kundgebung. Während einige der Nazis offensichtlich von Antifas vertrieben werden konnten, sammelten sich einige Faschisten an der Elsenzbrücke. Da einer der Nazis mit einer Schaufel bewaffnet war, ging die ansonsten kaum sichtbare Polizei gegen diese Nazis vor, erteilte allerdings auch einigen Antifas einen Platzverweis. Ebenso wurden einige Antifas durchsucht und ihre Personalien aufgenommen.

Öhringen – Erfolgreicher Abschluss

Von Sinsheim aus ging es in den Hohenlohekreis nach Öhringen. In dieser Gegend existieren seit Jahren faschistische Cliquen und Strukturen, insbesondere aus dem Umfeld der NPD und ihrer Jugendorganisation “Junge Nationaldemokraten”(JN). Zahlreiche Veranstaltungen der NPD/ JN Heilbronn fanden und finden in der Regon Hohenlohe statt. Auch die als Verteidigerin des “NSU”- Unterstützers Ralf Wohlleben bekannt gewordene Nazi- Anwältin Nicole Schneiders kommt aus Öhringen und war dort vor ihrem Jurastudium in der rechten Szene aktiv. Außerdem holte die NPD im Wahlkreis Hohenlohe bei der letzten Landtagswahl das höchste Wahlergebnis in Baden-Württemberg ein.

In Öhringen angekommen, versammelten sich die mit dem Bus angereisten Antifaschistinnen und Antifaschisten wieder zu einer kurzen Spontandemo in die Innenstadt, wo dann auf dem Hafenmarkt die Kundgebung statt fand. Zur Kundgebung kamen auch Nazigegnerinnen und Nazigegner aus Öhringen und dem Umland hinzu. Sie freuten sich darüber, dass Antifaschistinnen und Antifaschisten nach Hohenlohe gekommen waren, um den Widerstand gegen die Nazis auch dort zu stärken. Die Jusos Schwäbisch Hall- Hohenlohe überreichten dem Bündnis “Heilbronn stellt sich quer” gar einen Spendenscheck. Ohne Naziprovokationen konnte die Kundgebungstour somit nach mehreren Redebeiträgen erfolgreich abgeschlossen werden.

Wie weiter?

Wir werten die Kundgebungstour am Samstag als Erfolg. An einem Tag konnten wir in vier Städten in ganz unterschiedlichen Regionen über Nazistrukturen aufklären und ein erstes Zeichen des Widerstandes gegen diese Strukturen setzen. In allen von uns angefahrenen Städten ist antifaschistischer Widerstand bitter nötig. Durch kontinuierliche Bündnisarbeit ist es uns gelungen, für diese Kundgebungstour Menschen aus verschiedenen Spektren zu gewinnen.

Auch die Provokationsversuche von Nazis in Brackenheim und Sinsheim blieben wirkungslos und konnten zumindest teilweise auch aktiv abgewehrt werden. Für uns ist die Aufbau- und Unterstützungsarbeit in den einzelnen Regionen aber noch lange nicht abgeschlossen, sondern hat erst begonnen. Es gilt jetzt dort weiter präsent sein und den Kontakt mit aktiven Antifaschistinnen und Antifaschisten zu suchen. Gerade in Sinsheim hat sich gezeigt, dass ein gemeinsames Handeln gegen die Nazis und ihre gewaltbereiten Vertreter im “Kraichgau” wichtig ist.

Aber auch in den anderen Regionen werden wir weiter arbeiten. Neben diesen Aktivitäten heisst es aber auch, die überregionale antifaschistische Organisierung, in deren Rahmen die Kampagne “In die Offensive” statt findet, weiter voran zu bringen.

(Quelle: Antifaschistische Aktion Heilbronn)

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