Antikapitalistischer Block am 1. Mai 2012

1.mai2012An der vom DGB organisierten traditionellen Gewerkschaftsdemonstration am 1. Mai 2012 in Heilbronn beteiligten sich mehrere hundert Personen.
Rund 50 Menschen schlossen sich dem antikapitalistischen Block an, der Position gegen das herrschende System und für eine solidarische Gesellschaft ohne Ausbeutung, Krieg und Unterdrückung bezog.

Etwa 25 Aktivist*innen des antikapitalistischen Blockes führten zunächst eine kurze Spontandemo vom Gewerkschaftshaus in der Gartenstraße zur Auftaktkundgebung in der Karlstraße durch. Das Eintreffen der kämpferischen AktivistInnen sorgte für sichtlich interessierte Gesichter in den Reihen der GewerkschafterInnen. Die Demonstration verlief dann über Karlstraße, Gymnasiumstraße, Wollhausstraße, Allee und Weinsberger Straße zum Gewerkschaftshaus. Der antikapitalistische Block machte mit Transparenten, Schildern, Flugblättern und laustarken Parolen deutlich, worum es geht: eine grundsätzliche Kritik des kapitalistischen Systems, das die Ursache für die immer schlechter werdenen Lebens- und Arbeitsbedingungen und für Krieg, Hunger und Armut weltweit ist.

Auch in kurzen Megafondurchsagen wurde die Notwendigkeit eines breiten Widerstandes gegen den verschärften Klassenkampf von oben und die Abwälzung der Krisenkosten auf die lohnabhängige Bevölkerung betont.

Im Verlauf der Demonstration schlossen sich einige Menschen v.a. aus migrantischen Organisationen dem antikapitalistischen Block an, so dass die TeilnehmerInnenzahl auf 50 Menschen anwuchs.

Mehrere zivile Beamte des Heilbronner Staatsschutzes liefen die ganze Zeit über mit Funkgeräten provozierend innerhalb der Demonstration neben dem antikapitalistischen Block.

Nach der Abschlusskundgebung mit der stellvertretenden Ver.di- Landesleiterin Dagmar Schorsch- Brandt vor dem Gewerkschaftshaus machte sich ein großer Teil der DemonstrantInnen des antikapitalistischen Blockes zügig auf den Weg nach Mannheim, um sich dort an den antifaschistischen Aktionen gegen den Naziaufmarsch zu beteiligen.

Insgesamt bewerten wir den Block als Erfolg. Die TeilnehmerInnenzahl ist völlig zufriedenstellend in Anbetracht der Tatsache, dass wir zum ersten Mal in Heilbronn überhaupt für eine antikapitalistische Beteiligung an der DGB- Demo mobilisierten und dass parallel revolutionäre Demonstrationen in Stuttgart und Karlsruhe bzw. Aktivitäten gegen die Faschisten in Speyer und Mannheim abliefen. Wir gehen davon aus, dass wir mit unserem Konzept, unsere Kräfte für einen eigenständigen Ausdruck am 1. Mai zu sammeln und unsere lokalen Strukturen damit zu stärken und zu festigen, auf dem richtigen Weg sind.

Eine selbstkritische Reflexion unserer Mobilisierung und die Klärung der Frage, wie wir es schaffen, antikapitalistische Positionen in den nächsten Jahren am 1. Mai noch mehr zu verankern, stehen noch aus. Sicherlich wird es dazu in den nächsten Wochen und Monaten Diskussionen und Veröffentlichungen geben.


Auswertungstext der Revolutionären Linken Heilbronn zum 1. Mai 2012:

1.mai 2012An der vom DGB organisierten Demonstration am 1. Mai 2012 in Heilbronn beteiligten sich mehrere hundert Personen.

Rund 50 Menschen schlossen sich dem antikapitalistischen Block an, der Position gegen das herrschende System und für eine solidarische Gesellschaft ohne Ausbeutung, Krieg und Unterdrückung bezog.

Während in vielen anderen Städten solche kämpferischen Aktionsformen am 1. Mai bereits eine längere Tradition haben, riefen in Heilbronn zum ersten Mal Initiativen und Einzelpersonen zum antikapitalistischen Block auf.

Wir beteiligten uns als Gruppe mit einem eigenen Plakat und einem ausführlichen bundesweiten Aufruf revolutionärer Gruppen an der Mobilisierung.

Um Stärken und Schwächen der Mobilisierung und der Durchführung des antikapitalistischen Blockes besser einschätzen und daraus Schlussfolgerungen für die Zukunft ziehen zu können, wollen wir im folgenden einige uns wichtig erscheinende Punkte festhalten.

Damit möchten wir außerdem eine Diskussionsgrundlage für alle Menschen und Gruppen aus unserer Region schaffen, die sich am Block beteiligt haben, in Zukunft daran beteiligen wollen oder die dieser Aktionsform vielleicht auch skeptisch gegenüber stehen und deshalb am 1. Mai bewusst nicht im Block demonstriert haben.

Die Mobilisierung

Nach der großen antifaschistischen Mobilisierung gegen den Naziaufmarsch in Heilbronn am 1. Mai 2011 war für uns und andere AktivistInnen schnell klar, dass wir in diesem Jahr am 1. Mai einen Schwerpunkt auf die Vermittlung linker Inhalte und die Stärkung unserer eigenen Strukturen legen würden. Zwar gab es auch zum 1. Mai 2011 eine umfangreiche, überregionale revolutionäre Mobilisierung, unsere lokale Arbeit und die Praxis am 1. Mai 2011 waren aber deutlich vom Handeln gegen die Faschisten dominiert.

Auch wenn sich dies angesichts des rechten Großaufmarsches und unserer beschränkten Kapazitäten sicher nicht vermeiden ließ, sehen wir das Ausmaß, in dem unsere Arbeit nur ein Reagieren auf die Nazis war, im Nachhinein auch kritisch.

Deshalb legten wir uns bereits Anfang des Jahres darauf fest, am 1. Mai zu einem antikapitalistischen Block aufzurufen und diesen auf jeden Fall durchzuführen.

Diese Entscheidung wurde von den meisten Menschen aus unserem Umfeld und den insgesamt in den letzten Jahren deutlich gewachsenen linken Strukturen in Heilbronn positiv aufgenommen und mitgetragen.

Es gab einen –sicherlich inhaltlich noch recht knappen- Kurzaufruf und Flyer, die großflächig und gezielt nicht nur in linken Kreisen, sondern auch an GewerkschafterInnen und in verschiedenen Stadtteilen verteilt wurden.

Auch unser Plakat mit der Losung „Heraus zum revolutionären 1. Mai!Für Solidarität und Klassenkampf!“ wurde überall in der Stadt und verstärkt vor Betrieben und in proletarischen Wohngegenden geklebt.

Hinzu kamen Aufrufe, Aufkleber und Plakate unter dem Motto „Kapitalismus überwinden!“, mit denen bundesweit revolutionäre Gruppen für Aktionen am 1.Mai warben.

An der Mobilisierung und der Vorbereitung zum antikapitalistischen Block beteiligten sich relativ schnell viele AktivistInnen aus Heilbronn, so dass wir diese Phase insgesamt als positiv einschätzen.

Allerdings konnten wir unserem Anspruch, im Vorfeld ausführlich auf die Geschichte und die Bedeutung des 1. Mai als linkem revolutionärem Kampftag einzugehen, nicht gerecht werden.

Mit einem im Internet veröffentlichten Interview konnten wir zwar einige Punkte anreißen, trotzdem war die inhaltliche Arbeit zum 1. Mai aus unserer Sicht noch viel zu oberflächlich. Hier werden wir im nächsten Jahr rechtzeitig ansetzen.

Der antikapitalistische Block am 1. Mai

Zumindest nach unseren Kenntnissen wurde in diesem Jahr erstmalig zu einem Block auf der traditionellen Gewerkschaftsdemo aufgerufen, der klar über die von der DGB- Spitze ausgegebenen Parolen hinausgeht und sich antikapitalistisch positioniert. Daher war es schwer, im Vorfeld einzuschätzen, wie diese Aktionsform aufgenommen werden würde und vor allem wie viele Menschen sich daran beteiligen würden.

Rund 25 AktivistInnen starteten in den 1. Mai, indem sie zunächst eine kurze Spontandemo vom DGB- Haus zum Auftaktort der Gewerkschaftskundgebung durchführten.

Auch wenn diese Spontandemo eher symbolisch war, fanden wir die Botschaft die damit vermittelt wurde doch wichtig: Wir demonstrieren wo und wie wir wollen und wie wir es für richtig halten! Dies durchzusetzen ist besonders in Heilbronn wichtig, weil hier die Polizei in der Vergangenheit regelmäßig linke Demonstrationen behindert und angegriffen hat.

Der Block reihte sich dann in die DGB- Demo ein und lief dort im vorderen Drittel mit vielen Schildern, Parolen, Fahnen und Transparenten.

Im Verlauf wuchs der lautstarke Block auf bis zu 50 Menschen an. Dass es auch etwas verwunderte Gesichter unter den anderen DemonstrantInnen gab, liegt sicherlich nicht nur an der Tatsache, dass erstmals linke Inhalte offensiv in die DGB- Demo getragen wurden, sondern auch daran, dass der restliche Demozug insgesamt wenig kämpferisch und zum Teil sogar unpolitisch wirkte.

Der Block war deshalb auch ein Beitrag für eine Debatte über den Charakter der Demonstration, die wir nicht nur einigen wenigen Gewerkschaftsfunktionären überlassen sollten.

Denn wir denken, dass es angesichts der andauernden Krise, des massiven Klassenkampfes von oben und der sich europaweit verschlechternden Lebens- und Arbeitsbedingungen nicht ausreicht, am 1. Mai nur um ein bisschen mehr Lohn und etwas weniger Sozialabbau zu bitten und dann zu feiern. Deshalb versammeln wir uns im antikapitalistischen Block, um dort unsere Wut über die Verhältnisse ausdrücken und vor allem um Stärke entwickeln zu können für den Kampf gegen die Angriffe des Kapitals und für eine revolutionäre Perspektive.

Damit wollen wir uns allerdings nicht von den Gewerkschaften abgrenzen oder ihre Aktion sabotieren, sondern uns als aktiver Teil der ArbeiterInnenklasse solidarisch und konstruktiv einbringen. Wir gehen davon aus, dass dies am 1.Mai für alle erkennbar war und der Block als kämpferischer Bereich innerhalb einer gemeinsamen Demo wahrgenommen wurde.

Wie geht es weiter?

Mit dem Block am 1. Mai wurde ein erster wichtiger Schritt getan. Nachdem es in den letzten Jahren erfolgreich gelungen ist, in Heilbronn wieder handlungsfähige linke Strukturen aufzubauen, konnte jetzt auch am internationalen Kampftag der ArbeiterInnenklasse eine eigenständige antikapitalistische Aktionsform verwirklicht werden.

Die Reaktionen der Menschen, die sich spontan dem Block anschlossen oder ihre Solidarität bekundeten, zeigen, dass das Interesse an kämpferischen 1.Mai- Aktionen auch in unserer Stadt vorhanden ist. Vor allem viele junge Leute liefen ganz bewusst im antikapitalistischen Block mit.

Es wird allerdings noch einige Zeit brauchen, bis sich eine kämpferische 1. Mai- Praxis etabliert und inhaltlich bzw. methodisch verfestigt hat und wirklich alle Menschen erreicht, die von ihrem Standpunkt her bereits auf unserer Seite sind.

Um dies zu erreichen, müssen wir nicht nur im Bezug auf die kommenden 1. Mai- Mobilisierungen, sondern das ganze Jahr über weiter unsere Strukturen ausbauen und die Kontakte zwischen allen fortschrittlichen Kräften vertiefen. Ob in Teilbereichsgruppen und offenen Treffen gegen Faschisten oder für internationale Solidarität oder in revolutionären Organisierungsansätzen: In Diskussionen und Aktionen machen wir wichtige Erfahrungen, lernen gemeinsam zu kämpfen und unsere Stärken und Schwächen richtig einzuschätzen.

Ohne Zweifel wird es dabei auch Enttäuschungen und Rückschläge geben. Auch die Etablierung kämpferischer und revolutionärer Aktionen zum 1. Mai wird nicht ohne Konflikte und Schwierigkeiten ablaufen. Trotzdem halten wir dies für den richtigen Weg und laden alle Interessierten und GenossInnen in der Region ein, sich aktiv einzubringen und sich an den zukünftigen Diskussionen und Mobilisierungen zu beteiligen!

Für einen kämpferischen antikapitalistischen 1. Mai in Heilbronn!

Revolutionäre Linke Heilbronn, Mai 2012


Bilder vom 1. Mai 2012:

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