Wieder rassistische Kundgebung in Öhringen

Amsponti öhringen bearbeitet vergangenen Samstag, den 31. Oktober 2015, fand in Öhringen bereits zum dritten Mal eine rassistische Kundgebung gegen die Aufnahme von Geflüchteten statt. Die Veranstaltung vor der „Alten Turnhalle“ war dabei so gut besucht wie noch nie. Über 200 Teilnehmende fanden sich auf dem von der Polizei mit Hamburger Gittern abgeriegelten Platz ein.


Brisante Mischung
Unter den DemonstrantInnen befanden sich AnhängerInnen der NPD und ihrer Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten“ (JN). Wie bereits bei den beiden Kundgebungen in den Wochen zuvor nahmen auch einzelne Personen aus dem Hooligan-Spektrum und von Rocker-Gruppierungen an dem Protest „gegen die deutsche Asylpolitik“ teil. Einen Großteil der DemonstrantInnen stellten allerdings wieder nicht-organisierte „normale“ BürgerInnen mit rassistischer und zum Teil stark verschwörungstheoretischer Weltsicht dar.

Schwache Zivilgesellschaft vor Ort
In den Wochen zuvor hatte ein kleines lokales Bündnis aus kirchlichen Gruppen, der SPD und den Grünen Gegenprotest organisiert. Am 17. Oktober 2015 versammelten sich mehrere hundert Menschen auf dem Öhringer Marktplatz zu einer Kundgebung für ein „weltoffenes Öhringen“. Ein großer Teil der Teilnehmer*innen verzichtete allerdings auch damals auf direkte Proteste am nur wenige hundert Meter entfernten Kundgebungsort der RassistInnen.
Anders am 31. Oktober 2015: die Kräfte der Öhringer Zivilgesellschaft hatten dieses Mal auf Gegenproteste völlig verzichtet. In der Annahme, die rassistischen Zusammenkünfte würden sich „totlaufen“, nahmen sie ihre Anmeldung für die beiden zentralen Plätze der Öhringer Innenstadt nicht wahr.

Antifaschistischer Protest am Rande
Lediglich eine Gruppe von ca. 50 Antifaschist*innen fand sich zum Protest gegen die rassistischen Hetzer ein. Sie wurden von starken Polizeikräften auf einen Parkplatz gegenüber des Kundgebungsplatzes der RassistInnen abgedrängt. Protest direkt am Gitter der rechten Kundgebung wurde damit unterbunden. Etwas über eine Stunde nach Beginn der Veranstaltung zogen die Antifaschist*innen in einer kurzen Spontandemonstration zum Öhringer Bahnhof, um eine sichere gemeinsame Abreise der Aktivist*innen gewährleisten zu können.

Wie weiter?
Der Verlauf des Tages zeigte überdeutlich, wie wenig wirkungsvoll isolierter antifaschistischer Protest in der Auseinandersetzung mit rechten Mobilmachungen in der Provinz ist. Es ist essentiell, dass die Öhringer Zivilgesellschaft ihre passive Haltung gegenüber der rechten Mobilmachung überdenkt und ein klares Signal aussendet, dass Hetze gegen Geflüchtete in Hohenlohe nicht willkommen ist. Gelegenheit dazu wird sie wohl bekommen: Der „Orga-Kreis“ der rechten Kundgebung verkündete in Sozialen Netzwerken, die Kundgebungen bis zum März 2016 wöchentlich fortsetzen zu wollen.

You Might Also Like