Antikapitalistischer 1. Mai 2015 in Heilbronn

1.Mai 2015 Antikapitalistischer BlockTrotz strömenden Regens beteiligten sich am 1. Mai 2015 rund 100 Menschen am Antikapitalistischen Block auf der traditionellen Demonstration der Gewerkschaften durch die Heilbronner Innenstadt. Als Organisierte Linke Heilbronn (OL) hatten wir unter dem Motto „Gegen ihre Krisen – Widerstand von unten aufbauen! Kapitalismus überwinden“ dazu aufgerufen, kämpferische Inhalte auf der vom DGB initiierten Demo sichtbar zu machen und ein Zeichen der internationalen Solidarität mit den Bewegungen in Südeuropa, dem kurdischen Rojava und überall auf der Welt zu setzen. Wie in den vergangenen Jahren zog der Demonstrationszug, an dem in diesem Jahr rund 1000 Menschen teilnahmen, vom Busbahnhof in der Karlstraße über die Gymnasiumstraße auf die Allee. Dort stieg aus dem Antikapitalistischen Block bunter Rauch auf. Durch zahlreiche Schilder und über Megafon gehaltene Redebeiträge wurde das Anliegen der Aktivist*innen vermittelt. In einer verlesenen Rede hieß es:

„Was wir heute von der herrschenden Politik erwarten können ist nicht viel – Alternativlos, so sagt man uns, ist die Wirtschaftsweise, der ständige Konkurrenzkampf, die Kriege und Krisen und das Elend, das der Kapitalismus produziert. Was kann die Politik noch tun, angesichts der wirtschaftlichen Zwänge? Sie wurde zur Verwaltung degradiert.
Die Logik der Sachzwänge und der Alternativlosigkeit, wird von jenen verfochten und propagiert, die keine Alternativen wollen, weil sie davon profitieren, dass wir Menschen nicht an unsere schöpferische Kraft glauben. Die herrschenden Verhältnisse dienen nicht den Bedürfnissen der Menschen. Kriege, Umweltzerstörung, prekäre Arbeitsbedingungen, Ausbeutung, Armut und Hunger in allen Teilen der Welt, selbst in den reichsten Ländern wie Deutschland.
Deshalb sagen wir: Was ist, ist – aber was nicht ist, ist möglich. Es gibt eine Alternative! Wie der Mensch die Natur zu seinen Gunsten formt, so kann er auch die Gesellschaft und Wirtschaft so formen, dass sie den Bedürfnissen der Menschen dient. Unser Ziel ist eine Gesellschaft, in der kein Mensch mehr hungert, niemand ohne Obdach ist, die Menschen sich in Freundschaft begegnen, alle Arbeit haben und die Arbeit keine Schikane, sondern erfüllende Tätigkeit ist. Das ist nicht, aber es ist möglich.
Wir brauchen dazu keine Tagträumereien, sondern konkrete Visionen einer anderen Welt. Diese Visionen müssen wir im Kleinen schaffen, ohne das Große aus den Augen zu verlieren, wir müssen sie gemeinsam und solidarisch von unten aufbauen, indem wir diskutieren, streiten und uns organisieren, in gesellschaftliche Konflikte eingreifen und Alternativen aufzeigen.
Wir müssen eine internationale, solidarische Bewegung von unten schaffen, dann können wir der Wind der Veränderung sein, der die Mauern der alten Ordnung zum Einsturz bringt.
Dann wird die Möglichkeit zur Wirklichkeit und aus irgendwann wird heute noch!“

An der Abschlusskundgebung vor dem Gewerkschaftshaus in der Gartenstraße nahm neben dem Heilbronner Oberbürgermeister Harry Mergel auch der baden-württembergische Innenminister Reinhold Gall (SPD) teil. Der Politiker aus Obersulm, der im vergangenen Jahr aufgrund seiner unrühmlichen Rolle bei der NSU-Aufklärung im Land von einem Heilbronner Aktivisten getortet worden war, ließ sich von mehreren Personenschützern und Heilbronner Staatsschützern begleiten.

Von der Abschlusskundgebung zog eine kurze Spontandemo zum selbstverwalteten „Sozialen Zentrum Käthe“ in der Wollhausstraße. Dort feierten rund 150 Menschen beim 1.Mai-Fest gemeinsam bis tief in die Nacht.

Insgesamt blicken wir auf einen erfolgreichen 1. Mai in Heilbronn zurück. Natürlich sind unsere Erfolge begrenzt durch den bescheidenen Rahmens, der bewegungsorientierten linken Kräften aktuell zur Verfügung steht. Während die Kämpfe für eine andere solidarische Gesellschaft in vielen Ländern bereits offensiv geführt werden und zum Teil von größeren Teilen der Bevölkerung getragen werden, sind  wir in der BRD davon noch weit entfernt. Es bringt jedoch nichts, sich darüber zu beklagen. Mit der kontinuierlichen Entwicklung unserer Strukturen und dem nachhaltigen Aufbau einer Bewegung, die der herrschenden Krisenlogik eine Perspektive von unten entgegen setzt, gehen wir bereits die ersten Schritte. Der antikapitalistische 1. Mai in Heilbronn ist eine kleine Facette davon.

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